Eine kurze Geschichte über Salz

Salz stammt aus toten, ausgetrockneten oder lebenden Meeren. Es kann als Sole (Salzbrühe) an die Oberfläche sprudeln oder in Form von Salzlecken und flachen Kavernen austreten. Unter der Haut der Erde liegt es einige hundert Meter tief in weißen Adern. Es kann aus Salzpfannen verdampft, aus Sole eingekocht oder, wie es heute oft der Fall ist, aus Schächten abgebaut werden, die sich über einen Kilometer in die Tiefe erstrecken.

Die Geschichte der Welt in Bezug auf Salz ist einfach: Tiere erschufen Trampelpfade zu Salzlecken, wobei Jäger ihnen folgten, die Pfade wurden zu Straßen und Siedlungen begannen neben ihnen zu wachsen. Als sich die menschliche Speisekarte von salzreichem Wild auf Getreide verlagerte, wurde das Salz eher benötigt, um die Speisen zu salzen. 

Die unterirdischen Lagerstätten waren jedoch unerreichbar. Das an der Oberfläche verstreute Salz reichte also nicht aus. Die Knappheit des Minerals machte es sehr kostbar und als sich die Zivilisationen ausbreiteten, wurde Salz zu einem der wichtigsten Handelsgüter der Welt.

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Salzrouten durchzogen den gesamten Globus 

Einer der meistgereisten Routen führte von Marokko in den Süden über die Sahara nach Timbuktu. Schiffe die Salz von Ägypten nach Griechenland brachten, durchquerten das Mittelmeer und die Ägäis. Herodot beschrieb eine Karawanenroute, welche die Salzoasen der libyschen Wüste miteinander verband. Venedigs glitzernder Reichtum war weniger auf exotische Gewürze und mehr auf das alltägliche Speisesalz zurückzuführen, das die Venezianer in Konstantinopel gegen die Gewürze Asiens eintauschten. Als Marco Polo 1295 zum ersten Mal von Cathay (Nordchina) zurückkehrte, erfreute er den Dogen mit Geschichten über den ungeheuren Wert von Salzmünzen mit dem Siegel des großen Khan.

Bereits im 6. Jahrhundert tauschten maurische Kaufleute in der Subsahara routinemäßig Salz Unze für Unze gegen Gold. In Abessinien wurden Steinsalzplatten, Amôlés genannt, zur Münze des Reiches. Jede war ungefähr zehn Zoll lang und zwei Zoll dick. Diese Kuchen aus Salz wurden auch in anderen Gebieten Zentralafrikas als Geld verwendet.


Salz diente nicht nur zum Würzen und Konservieren von Speisen

Es war auch ein gutes Antiseptikum, weshalb das römische Wort für diese heilsamen Kristalle (sal) ein erster Cousin von Salus, der Göttin der Gesundheit, ist. Von allen Straßen, die nach Rom führten, war eine der verkehrsreichsten die Via Salaria, die Salzstraße, über die römische Soldaten marschierten und Kaufleute Ochsenkarren voller kostbarer Kristalle aus den Salinen von Ostia den Tiber hinauffuhren. Der Sold eines Soldaten, der teilweise aus Salz bestand, wurde als Solarium argentum bekannt, von dem wir das Wort Gehalt ableiten. Das Gehalt eines Soldaten wurde gekürzt, wenn er „sein Salz nicht wert war“. Ein Ausdruck der entstand weil die Griechen und Römer Sklaven oft mit Salz kauften.

„Zu allen deinen Opfergaben sollst du Salz opfern“, heißt es in Levitikus 2:13. Aufgrund seiner Verwendung als Konservierungsmittel wurde Salz für die Juden des Alten Testaments zu einem Zeichen der Beständigkeit. Seine Verwendung in hebräischen Opfern als Fleischreiniger bedeutete den ewigen Bund zwischen Gott und Israel. 

In einem biblischen Fall symbolisierte Salz einen Mangel an Treue. In Genesis 19:1-29 befehlen zwei Engel des Herrn Lot, seiner Frau und zwei Töchtern, aus der sündigen Stadt Sodom zu fliehen, ohne jemals zurückzublicken. Als Lots Frau einen flüchtigen Blick zurückwarf (ihr Glaube war unsicher), wurde sie sofort in eine Salzsäule verwandelt. Ein römisches religiöses Ritual, bei dem Salzkörner auf die Lippen eines acht Tage alten Babys gelegt wurden, nimmt jedoch die römisch-katholische Taufzeremonie vorweg. Hier wird ein Stück Salz in den Mund des Kindes gelegt, um seine allegorische Reinigung sicherzustellen. Im christlichen Katechismus ist Salz immer noch eine Metapher für die Gnade und Weisheit Christi. Wenn Matthäus sagt: „Ihr seid das Salz der Erde“, spricht er die gesegneten, würdigen Schafe in der Herde an, nicht die irrenden Ziegen.

Kochsalz


Salz im Mittelalter

Während des Mittelalters glitt die "alte Heiligkeit des Salzes" in Richtung Aberglauben ab. Das Verschütten von Salz galt als unheilvoll, als Vorzeichen des Untergangs. (In Leonardo da Vincis Gemälde Das letzte Abendmahl wird der finster dreinblickende Judas mit einem umgestürzten Salzstreuer vor ihm gezeigt.) Nachdem er Salz verschüttet hatte, musste der Verschütter eine Prise davon über seine linke Schulter werfen, weil die linke Seite für einen finsteren Ort gehalten wurde, an dem sich böse Geister versammelten.

das letzte abendmahl leonardo da vinci gr


Die soziale Symbolik des Salzes wurde in den mittelalterlichen Äquivalenten des Amy Vanderbilt "Complete Book of Etiquette" schmerzlich deutlich. Noch im 18. Jahrhundert wurde der Rang der Gäste bei einem Bankett daran gemessen, wo sie im Verhältnis zu einem oft kunstvollen silbernen Salzstreuer auf dem Tisch saßen. Der Gastgeber und die „erlesenen“ Gäste saßen am Kopfende der Tafel – „über dem Salz“. Menschen die am weitesten vom Wirt entfernt, unter dem Salz saßen, waren von geringer Bedeutung.

Salzsteuern verfestigten oder halfen die Macht der Regierungen aufzulösen. Jahrhundertelang waren die Franzosen gezwungen ihr gesamtes Salz aus königlichen Depots zu kaufen. Die Gabelle, oder Salzsteuer, war während der Regierungszeit Ludwigs XVI. so hoch, dass sie zu einer großen Last wurde und schließlich dazu beitrug, die Französische Revolution auszulösen. Noch 1930 führte Mahatma Gandhi aus Protest gegen die hohe britische Salzsteuer in Indien eine Massenpilgerfahrt seiner Anhänger ans Meer, um dort eigenes Salz herzustellen. Die Kampagne ist auch unter "der Salzmarsch" bekannt.

Wenn die Bedeutung eines Lebensmittels für eine Gesellschaft durch Anspielungen in Sprache und Literatur gemessen werden kann, dann ist die Bedeutung von Salz nahezu konkurrenzlos. Fast vier Seiten des Oxford English Dictionary werden durch Hinweise auf Salz eingenommen, mehr als von jedem anderen Lebensmittel. „Ein Körnchen Salz“ kann ein Rezept für Skepsis sein. Aber es besteht kein Zweifel darüber, wie Salz die Geschichte gewürzt hat.

Gandhi at Dandi 5 April 1930

Gandhi hebt am Ziel und Ende des Salzmarsches am Strand des Arabischen Meeres Salz auf

Dieser Artikel würde aus der englischen TIME übersetzt


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